Presse
19.12.2009, 13:48 Uhr
Darmstädter Echo: Millionen für sichere Wege
Grube Messel: Besucherzugang in das Weltnaturerbe wird dauerhaft gesichert
Messel: Riesige Rohre, die mit Beton gefüllt werden, sollen den Messeler Grubenhang sichern. Auf dem Hang führt die Straße ins Innere.

Foto: Günther Jockel

Das Wegesystem der Grube Messel ist sanierungsbedürftig. Finanzielle Unterstützung dafür kommt vom Land. 2,24 Millionen Euro waren seit längerem zugesagt, der hessische Finanzminister Karlheinz Weimar hat den Bescheid für die Sanierung der Wege und die Öffnung des Weltnaturerbes für den Tourismus am Freitag an den Messeler Bürgermeister Udo Henke übergeben. Weitere rund 1,1 Millionen Euro steuert der Bund aus dem ,,Investitionsprogramm nationale Unesco-Welterbestätten" bei.
 
,,Mit der Welterbe-Anerkennung der Grube Messel durch die Unesco stellt sich das Land einer ganz besonderen Verantwortung", sagte Weimar. Das Land Hessen sei damit ,,die Verpflichtung eingegangen, dieses Weltnaturerbe mit seinem besonderen geopaläontologischen Wert in angemessener Weise der Weltöffentlichkeit zugänglich zu machen".
 
Einhundert Betonpfähle sollen die Deponiestraße in die Grube Messel vor dem Abrutschen schützen. Derzeit beginnen Bohrungen, um am Südwesthang des Weltnaturerbes Fertigbeton bis in etwa 26 Meter Tiefe in Rohren von je 1,50 Meter Durchmesser einzufüllen - eine Großbaustelle, mit der der Besucherzugang in das Weltnaturerbe dauerhaft gesichert wird.
Etwa zehn Zentimeter pro Tag können Ölschiefersedimente bei oder nach Niederschlag abrutschen, ganze Schollen brachen vor kurzem an der stark beanspruchten Nordböschung im Wald unterhalb der Bahnlinie ab. Das stark wasserhaltige Tonsediment, das bei Regen im Untergrund schnell ins Gleiten gerät, bewegt sich kriechend, kann aber auch ruckartig abbrechen, sagen die Geologen.
 

Im Plan liegen die Bauarbeiten am neuen Besucherzentrum. Stephan Schaal vom Forschungsinstitut Senckenberg, Geschäftsführerin der Grube-Gesellschaft Marie-Luise Frey, der Messeler Bürgermeister Udo Henke, Minister Karlheinz Weimar und Projektleiter Walter Braun begutachten den Fortschritt. (Foto: Karl-Heinz Bärtl)
 
Gravierende Verwerfungen der letzten Jahre: Im Winter 2001 brach ein Teil der oberen Deponiestraße ab, als die asphaltierte Straßendecke um einen Meter wegbrach, 2003 rutschte die Besucherplattform um etwa zehn Zentimeter in Richtung Hang und ihre Absperrung für den Besucherverkehr. Seit die Plattform, die nur teilweise im tragfähigen Gestein gegründet worden war, ab 2004 unter anderem per Satellitendaten ständig überwacht wird, ,,beobachten wir keine Bewegungen mehr. Bis zu hundert Besucher können unbesorgt einen Blick in die Grube werfen", sagt Gabriele Aderhold vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie.
 
130 Messpunkte in der Grube Messel prüft das Landesamt seit 1993 zweimal pro Jahr, um Bewegungen im Gestein zu registrieren, an der Besucherplattform wird vierteljährlich gemessen. Regelmäßige Neigungsmessungen an der oberen Deponiestraße, wie Stefan Schäfer vom Landesamt sie vornimmt, hatten seit 2005 ,,keine Abweichungen mehr gezeigt", berichtet der Geophysiker.
 
Weil die im industriellen Abbau seit Ende des 19. Jahrhunderts geschaffenen künstlichen Böschungen und Hänge der Grube Messel in Bewegung sind, steht das Weltnaturerbe unter ständiger Beobachtung. Hänge und Böschungen von etwa 15 Prozent Neigung kamen in den achtziger Jahren vor allem an und unterhalb der Bruchsteinhalde am Nordwesthang ins Rutschen. Ganze Ölschieferpakete lösten sich 2006 an den Grabungsstellen und sausten meterweit in die Tiefe. Ein ganzer Riss läuft senkrecht unterhalb der Deponiestraße vom Hang in Richtung Grubensohle. Diesen Sommer registrierten Geologen frische Abbrüche am Nordhang, wo das Erdreich im Mischwald über etwa vierzig Zentimeter wegbrach und Bäume reihenweise unterhöhlte.
 
Bisher größte Sorgenkinder des Landesamts: der für Besucher unzugängliche Nordhang, der durch ein Drainagesystems entwässert wird und die südwestlich gelegene Deponiestraße. 25 000 Besucher haben die Ranger der ,,Welterbe"-Gesellschaft von April bis Dezember 2009 über diese Straße in die Fossilienfundstätte geführt. Ihre Sicherheit soll nun mit den tief im Gestein verankerten Betonpfeilern im Vordergrund der Sanierung stehen.
 
Zur Langzeitbeobachtung des alten Tagebaus, dessen Rutschungen und Schwelbrände seit 1891 bekannt sind, ist das Land Hessen als Eigentümerin der Fossilienfundstätte verpflichtet. Noch immer stellt die Grube Messel wegen der wissenschaftlichen Grabungen unter Bergaufsicht, für Besucher gilt die Verkehrssicherungspflicht, sagt Gabriele Aderhold. Auch deshalb baue das Land Hessen derzeit das neue Besucherinformationszentrum im großen Abstand von etwa siebzig Meter Entfernung vom Grubenrand.

judith schäfer
aktualisiert von Stefan Baltes, 21.01.2010, 13:57 Uhr
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