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Ein Stück Ida kommt nach Hause
Fossilien: Das Messeler Museum erhält einen seltenen Abguss des Sensationsfundes eines 47 Millionen Jahre alten Ur-Äffchens geschenkt - Das Original befindet sich in Oslo
Neben dem vollständig erhaltenen Skelett sind auch die Hautschatten der rechten Körperhälfte erhalten, in ihrem Magen fand man Blätterreste und den Kern einer Frucht: Äffchen ,,Ida", der Sensationsfund aus dem Ölschiefer der Grube Messel, ist als Kopie ins Messeler Museum ,,heimgekehrt".
Äffchen Ida hatte sich vor 47 Millionen Jahren den Unterarm gebrochen. Die verkrüppelte Hand könnte das Todesurteil gewesen sein, vermuten Fossilienexperten. ArchivFoto: dpa
Ein Abguss des weltweit ersten vollständigen Primatenfunds wurde Annegret und Michael Höllwarth vom Messeler Museumsverein nun vom norwegischen Forscher Jörn Hurum übergeben - als Geschenk für die Messeler Fossiliensammlung im alten Rathaus der Gemeinde.
Das 58 Zentimeter lange und vermutlich etwa 650 bis 900 Gramm schwere Äffchen, das vor 47 Millionen Jahren in den Baumkronen des Regenwalds rund um den Messelsee nach Blättern und Früchten suchte, erhält einen Ehrenplatz im Museum. Das Skelett des weiblichen Jungtiers ähnelt Lemuren, deren Nachfahren heute nur noch auf Madagaskar vorkommen. Bisher wurden aus dem Messeler Ölschiefer acht Primatenfunde geborgen, jedoch nur als Bruchstücke. ,,Ida" , die von Hurum nach seiner Tochter benannt wurde, ist der erste vollständige Fund. Das weibliche Fossil einer bisher unbekannten Art verfügt über daumenähnliche Wendezehen, die auf Greifhände schließen lassen, sowie Sprunggelenke; das Gebiss ist komplett erhalten.
Untersuchungen ergaben, dass das vermutlich nachtaktive Jungtier nur neun Monate alt wurde. ,,Ursache ihres frühen Todes war sicher ein unvollständig verheilter Bruch im rechten Unterarm", erläutert Höllwarth. Im tropischen Urwald rund um den Messeler Kratersee, in dem das Äffchen auf Bäumen lebte, sei eine derart verkrüppelte Hand sicher ein Todesurteil gewesen.
Wie kaum ein anderes Fossil hatte ,,Darwinius massillae" die Öffentlichkeit beschäftigt: ein internationales Expertenteam mit Wissenschaftlern aus Norwegen, Deutschland und den USA hatte den 1983 geborgenen Fund der Stammgruppe der Primaten zugeordnet, zu denen Koboldmakis, Affen, Menschenaffen und Menschen zählen.
Der Ur-Affe sei möglicherweise ein bisher fehlendes Verbindungsstück in den Stammbäumen von Affen und Menschen, wurde spekuliert. ,,Ida" sei vielleicht nicht die Ur-Ur-Großmutter, aber möglicherweise eine Ur-Ur-Großtante des Menschen, äußerte der Frankfurter Paläontologe Jens Lorenz Franzen, der den Fund als achtes Weltwunder der Paläontologen bezeichnet. Die Messeler Museumsleute sind glücklich, Besuchern des Weltnaturerbes Grube Messel eine Replik des berühmten Fossils präsentieren zu können. ,,Derzeit sind intensive Untersuchungen mehrerer Institute im Gange, um eine Zuordnung zu einer der Stammlinien der heutigen Primatenordnungen zu ermöglichen", sagt Michael Höllwarth.
Dass ,,Ida" eine Urahnin des Menschen sein könnte, schließt der Naturforscher aus: ,,Die Abzweigung der Evolutionslinie von den Menschenaffen zum Menschen erfolgte erst vor rund sieben Millionen Jahren im Tier-Mensch-Übergangsfeld."
Das internationale Expertenteam, das ,,Darwinius massilae" wissenschaftlich bearbeitet hat, sieht die stammesgeschichtliche Position ,,Idas" nicht bei den Feucht-, sondern bei den Trockennasenaffen (Strepsirhini).
Damit gehöre das Fossil in die Tiergruppe, aus der sich vierzig Millionen Jahre später die Menschen entwickelt haben, heißt es in einer vom Senckenberg-Forschungsinstitut herausgegebenen Broschüre.
Original-,,Ida" wurde von Jörn Hurum auf einer Hamburger Börse für die Sammlung des Naturhistorischen Museums in Oslo angekauft, seine weniger gut erhaltene Gegenseite (B-Seite) hängt im Dinosaur Center in Themopolis (Wyoming, USA).
aktualisiert von Stefan Baltes, 30.04.2010, 14:47 Uhr
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